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Problematisches Essverhalten

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Vielleicht auch das Essverhalten?
Essen kann in den letzten Monaten eine wichtige Rolle in im Leben gespielt haben. Vielleicht hat es sogar als Lösung bei belastenden Gefühlen, Flucht oder Ersatz gedient?

Was eine Essstörung genau ist und ab wann man darunter leidet, kann unter:
https://www.bzga-essstoerungen.de/ nachgelesen werden.

  

Dr. med. Christian Rexroth zum Thema Essstörung, Corona und die Entwicklungen in unserem Landkreis

Gemeinsam mit dem Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Cham, Dr. med. Christian Rexroth, haben wir uns über das Thema Essstörung und Corona sowie die Entwicklungen in unserem Landkreis unterhalten:

Während der Corona-Krise wurde viel über den Schulbesuch der Kinder und Jugendlichen gesprochen. Doch was ist mit der mentalen Gesundheit. Welche Auswirkungen hatte die Pandemie Ihrer Meinung nach auf die Kinder und Jugendlichen in unserem Landkreis?

Die Ergebnisse einer repräsentativen Studie haben ergeben, dass sich durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf unser persönliches und schulischberufliches Leben ungünstige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zeigen. Ganz allgemein hat sich in den Angaben der Kinder, Jugendlichen und ihren Familien die Lebensqualität verschlechtert. Klinisch zeigt sich v. a. eine Zunahme von psychosomatischen Beschwerden. Dazu gehören auch Essstörungen. Aber auch affektive Störungen wie Ängste und Depressionen haben zugenommen sowie lebensüberdrüssige Gedanken. Das berichten Kolleginnen und Kollegen aus Klinik und Praxis in Cham wie auch überregional in Bayern. Bei den meisten Kindern und Jugendlichen finden sich leichte Symptome, die i. S. einer normalen Reaktion auf stark veränderte Lebensbedingungen zu sehen sind, keinen Krankheitswert haben und i. d. R. wieder vergehen. Andererseits sind insbesondere Kinder und Jugendliche betroffen, die schon vor der Pandemie psychisch belastet waren; einige von ihnen waren v. a. im Lockdown stärker belastet, andere aber sogar entlastet. In Abhängigkeit von der Konstellation der Familie und ggf. dort bestehenden Risikobedingungen finden sich teils stark belastete Kinder und Jugendliche.

 

Herr Dr. Rexroth, hatte die Corona-Krise auch einen Einfluss auf die Aufnahmezahlen der KJP in Cham?

In der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Cham haben wir – von wenigen Wochen während des ersten Lockdowns 2020 abgesehen – weiterhin geöffnet. Danach war die Belegung im Hinblick auf die Abstandsregeln erst reduziert. Im Laufe der vergangenen Monate haben wir allmählich wieder mehr Kinder und Jugendliche aufnehmen können und aktuell wieder Regelbelegung. In der Ambulanz haben wir eine Vielzahl von Anmeldungen.

 

Laut Medienberichten haben Essstörungen während der Pandemie, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, stark zu genommen, können Sie dies bestätigen und wenn ja, wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

In der Tat sehen wir in allen Sektoren der Gesundheitsversorgung bundesweit eine deutliche Zunahme von v. a. weiblichen Jugendlichen mit Essstörungen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist aus fachlicher Sicht noch keine abschließende Einschätzung im Hinblick auf die Ursachen möglich, außer dass diese Beobachtungen überregional und in zeitlichem Zusammenhang mit den pandemiebedingten Veränderungen zu erkennen sind. Aktuell finden in mehreren medizinischen Zentren wissenschaftliche Bestrebungen zur Datengewinnung statt.

   

Bei welchen Signalen sollten Eltern, Freunde, Pädagogen hellhörig werden und evtl. an eine Essstörung denken?

Ganz grundsätzlich wäre allen Eltern und Erwachsenen, die mit Kindern und Jugendlichen im beruflichen Umfeld arbeiten, zu raten, den Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf deren Belastung aufmerksam und offen, fürsorglich und liebevoll zu begegnen. Wenn sich die Stimmung oder das Verhalten der Kinder bzw. Jugendlichen merklich ändert, wenn sich Kinder und Jugendliche schwertun, wieder in den früher gewohnten Alltag zu finden, dann wäre eine entsprechende medizinische Beratung aufzusuchen, z. B. eine Praxis oder Ambulanz. Zu möglichen psychischen Auffälligkeiten gehören auch Änderungen im Essverhalten, Isolierung und Rückzug, aber auch ein hohes Stressaufkommen und Belastungen in der Familie.

  

Aktuell sind die Zahlen der Corona Neuinfektionen im Landkreis Cham sehr niedrig. Kinder besuchen wieder die Schulen, soziale Kontakte sind wieder erlaubt und Freizeiteinrichtungen haben wieder geöffnet. Ist nun alles wie vorher? Was können Eltern tun, damit ihr Nachwuchs den Übergang zwischen Lockdown und Lockerungen so gut wie möglich meistert?

Wie gesagt würde ich gerne alle Eltern ermutigen, entsprechende Fachstellen aufzusuchen, wenn sie im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Kinder Sorgen haben. Wir sollten alle gut hinschauen und lieber frühzeitig aktiv werden, als Belastung und Leid auf die lange Bank zu schieben. Das gilt für Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene gleichermaßen.  

Vielen Dank Herr Dr. med. Rexroth für das interessante Interview

  

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