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Öffentliche Grünflächen weniger oft mähen und Artenvielfalt fördern

13.07.2021

Der Landkreis Cham setzt sich seit Jahren für Artenvielfalt, Biodiversität und Nachhaltigkeit ein

Die Referenten der Bauhofschulungen: Bürgermeister Hans Laumer, Susanne Deutschländer, Gerhard Altmann (Foto: Gemeinde Zandt)

Wie man kommunale Grünflächen vielfältig, artenreich und insektenfreundlich gestalten kann, erfuhren vor kurzem an zwei Schulungstagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe im Landkreis Cham. Landrat Franz Löffler, der viel Wert auf eine ökologische und natürliche Pflege der öffentlichen Grünflächen legt, freute sich, dass die Schulung in der „blühfreundlichen“ Gemeinde Zandt mit Unterstützung durch Bürgermeister Hans Laumer und seine Verwaltung durchgeführt werden konnte. Am ersten Schulungstag nahmen 46 Bauhofmitarbeiter und eine Mitarbeiterin von 29 Städten und Gemeinden des Landkreises teil. Am nächsten Tag wurden die Mitarbeiter der Kreisbauhöfe und des kreiseigenen Gartenbaupersonals umfassend über alle Aspekte einer nachhaltigen Pflege der öffentlichen Grünflächen informiert. Organisiert wurde die Schulung durch das Sachgebiet Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Cham.

Der Landkreis Cham setzt sich seit Jahren für Artenvielfalt, Biodiversität und Nachhaltigkeit ein. Neben seinen Aktivitäten für mehr Regionalität bei Lebensmitteln und Saatgut stehen auch die Förderung von Schulgärten und Blühflächen oder Projekte wie das Hausbaum- und Heckenprogramm auf der Agenda. Bei der Pflege seiner Grünflächen achtet der Landkreis schon lange auf ökologische Verträglichkeit ohne die Verkehrssicherheit zu vernachlässigen, was zum Beispiel an Straßenrändern wichtig ist. Die Verantwortlichen sind sich aber bewusst, dass stets weitere Optimierungen und Verbesserungen möglich und auch nötig sind, um einen Beitrag dafür zu leisten, dass der weitere Rückgang der Artenvielfalt gestoppt wird.

Rasenflächen weniger mähen
Ziel der Schulung war es deshalb, die Sensibilität für die Belange der Natur weiter zu stärken und praktische Tipps und Hinweise für eine ökologisch verträgliche Umsetzung von nötigen Pflegemaßnahmen zu geben. Im Vordergrund stand vor allem der Appell, die Häufigkeit des Mähens der Grünflächen enorm zu verringern. Im häufig gemähten Rasen finden nur sehr wenige Insekten und ein paar Vögel den nötigen Lebensraum bzw. Nahrung. Die meisten Insekten, vor allem auch Schmetterlinge sind auf höhere Bestände an Gras, Kräutern und Blütenpflanzen angewiesen, aber auch reine höhere Grasbestände sind als Lebensraum und als Nahrungspflanzen bedeutsam. Zum Beispiel ernähren sich die Raupen von über 40 verschiedenen Schmetterlingsarten von Gräsern. Einen Teil des Bestandes dürfe man längere Zeit auch über den Winter bis ins Frühjahr stehen lassen. Diese bewusst erhaltenen, höheren Grasbestände können dann frühestens gemäht werden, sobald wieder frisches Grün ausreichend hoch nachgewachsen ist. Hiermit bleibt der nötige Lebensraum für die Insekten erhalten.

Blühflächen richtig anlegen
Der Bürgermeister der Gemeinde Zandt, Hans Laumer, ist von Beruf Wildlebensraumberater. Er referierte zum Thema fachgerechte Ansaat von Blühflächen und über die richtige Vorgehensweise bei Problemen und konnte dabei vieles Tipps aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz geben. Da der Samen der meisten Blütenpflanzen sehr klein ist, muss das Saatbeet ganz fein hergerichtet und nach dem Säen mit einer Walze der Samen angedrückt werden. Laumer zeigte den interessierten Teilnehmern auf einer kurzen Exkursionsfahrt auch die bereits vorhandenen Blühflächen in der Ortschaft Zandt und in dessen Nähe in der freien Landschaft sowie die angelegten Biotopstrukturen wie Steinhaufen, Asthaufen und Wurzelstöcke. Er bat darum, die abgeblühten Pflanzen auch über den Winter stehen zu lassen. Ein dürrer hohler Stängel sei zum Beispiel ein Lebensraum zum Überwintern von verschiedensten Insekten. Auch die Samenstände dienen im Winter zahlreichen Vögeln als Nahrung.

Natürliche Lebensräume gestalten und erhalten
Katharina Kuhlmann, die Biodiversitätsberaterin des Landratsamtes Cham, informierte über die finanzielle Förderung von Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität. Für die ökologische Pflege von Wiesen, Ackerflächen und Teichen gibt es Fördergelder, genauso für Biotop- und Totholzbäume im Wald.
Kreisfachberaterin Susanne Deutschländer vom Landratsamt wies darauf hin, dass die Kommunen einen großen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können. Flächen innerhalb der Orte und außerhalb entlang der Straßen und Ausgleichsflächen bieten großes Potential. Von Bedeutung sind vor allem das Straßenbegleitgrün und Gewässerränder, die als lineare Strukturen einzelne Lebensräume miteinander verbinden. Dadurch entstehen Bewegungskorridore für Kleinsäuger, Insekten und Vögel. Das Mähen entlang der Straßen sollte in Etappen erfolgen. Bei Banketten, Sichtfelder und Mulden hat die Verkehrssicherheit Vorrang. Hier ist ein 2-3 maliges Mähen in 10 cm Höhe pro Jahr sinnvoll. Die daran anschließenden Bereiche, oft Böschungen sollten abwechselnd jeweils nur zur Hälfte alle 2 Jahre gemäht werden.
Gewässerränder, also Bäche und Weiher bieten viele Möglichkeiten für Flora und Fauna. Da seit 2021 Gewässerrandstreifen vorgeschrieben sind, sollte die natürliche Dynamik eines Bachbettes mit Abbruchkanten und Flachufern zugelassen werden. Das Entfernen von überflüssigen Verrohrungen und Begradigungen bringt weiteren Lebensraum. Auch hier sollte eine Mahd nur in Abschnitten erfolgen.
Zusätzlich sollten an geeigneten Stellen Sandflächen, Totholzhaufen und Steinhaufen angelegt werden für Insekten, Vögel, Reptilien und Kleinsäuger. Die Begrünung von Fassaden bringt, neben der geringeren Erwärmung der Fassade auch Vogelnistplatz und Futter. Verkehrsinseln und Dachbegrünungen sind oft Magerstandorte, sie sollten nicht versiegelt, sondern entweder mit Trockenheitsspezialisten begrünt oder es sollte eine Spontanvegetation zugelassen werden. Bäume haben eine große Feinstaubfilter-Leistung. Die Pflanzung innerorts und außerorts ist daher unverzichtbar. Der Einsatz von Laubsaugern und Laubbläsern ist für Insekten tödlich. Es entstehen große Verwirbelungen, die diese nicht überstehen.

Mähroboter nachts ausschalten
Kreisfachberater Gerhard Altmann vom Landratsamt gab Tipps zur insektenfreundlichen Technik und Pflege der öffentlichen Grünflächen und Straßenränder und über die fachgerechte Baumpflege. Sehr insektenfreundlich wären Mähgeräte, ausgerüstet mit einem Fingerbalken oder Doppelmessermähwerk. Ideal wäre natürlich das Mähen mit der Handsense für die Schonung der Insektenwelt. Aber auch die Freischneider, Motorsensen und der Rasenmäher bzw. Aufsitzmäher sind noch einigermaßen insektenverträglich. Absolut schädlich für jegliche Insekten sind Mulchgeräte und Mähroboter. Die Mähroboter sind außerdem manchmal tödlich für die Igel, deshalb sollte man des nachts die Mähroboter ausschalten.
Blumen sollte man zur Blüte und Samenreife kommen lassen, das Schnittgut 1-2 Tage liegenlassen damit der Samen ausfallen kann und dann erst entfernen.

Bäume fachgerecht pflegen
Bei der Baumpflege gilt, keine großen Wunden, bzw. Schnittstellen über 5 bis 8 cm machen, da große Wunden langfristig oft eine starke Fäulnis zur Folge haben. Auch das leider sehr hohe unnötige Aufasten der Bäume schädigt dieselben stark. Es genügt das vorgeschriebene freizuhaltende Lichtraumprofil von 4,5 m bei Straßen, bzw. 2,5 m bei Geh- und Radwegen freizuschneiden.
Die Erhaltung von ökologisch wertvollen Biotopbäumen, die Astlöcher und Höhlungen aufweisen oder komplett hohl sind, ist sehr bedeutsam für das Überleben von sehr seltenen Käfern und sonstigen Insekten. Sie dienen aber auch als Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Bilche, wie Haselmaus und Siebenschläfer. 

Kategorien: Natur & Umwelt, Politik, Facebook

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