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Gipfeltreffen auf dem Čerchov

03.07.2017

Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler traf sich am Samstag mit dem Regionspräsidenten der Region Pilsen Josef Bernard zu einem Gedankenaustausch

Herr Reimer (3. v.l.) informiert über das versunkene Dorf

in freundschaftlicher Atmosphäre auf dem Cerchov. Thema des „Gipfeltreffens“ war die weitere grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Bereichen wie Bildung, Kultur, Infrastruktur und Wirtschaft. Hier sei schon vieles vorangebracht worden. Darauf könne man aufbauen und deshalb könnten die Menschen in der Region beiderseits der Grenze auch zuversichtlich in die Zukunft schauen.

Zuvor kamen beide Politiker in Nemanice zusammen, um mit dem dortigen Bürgermeister Ivan Bartosek über eine mögliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Beispiel Nemanice zu sprechen. Daran nahm auch Bürgermeister Markus Ackermann teil. Man war sich einig, gemeinsam ein EU-Förderprojekt auf die Beine zu stellen, um Nemanice weiterzuentwickeln. „Nemanice soll als Pilotprojekt für die vielen Ortschaften entlang unserer gemeinsamen Grenze dienen. Gut entwickelte Strukturen auf der böhmischen Seite sind auch von Vorteil für die Menschen und die Wirtschaft in unserer Region!“, so Landrat Löffler.

Die Bezirke Oberpfalz und Pilsen bilden in wirtschaftlicher wie in gesellschaftlicher Hinsicht mittlerweile eine grenzüberschreitende Spitzenregion. Dies belegen vor allem Arbeitsmarktzahlen und die Leistungen der regionalen Unternehmen, die alleine im Landkreis Cham über 3.000 Facharbeitskräfte aus Tschechien beschäftigen.

Anschließend besichtigte man gemeinsam das „versunkene Dorf“ Grafenried, welches ein mahnendes Symbol für die wechselvolle Geschichte der beiden Länder darstellt. Die gemeinsamen Ausgrabungen von Deutschen und Tschechen werden von Franz Löffler und Josef Bernard als starkes Zeichen der Versöhnung gesehen.

Löffler sagte: „Das versunkene Dorf mahnt uns. Nie wieder dürfen ideologische Verblendungen die Menschen trennen. Gerade in der heutigen Zeit ist dieses Thema aktueller denn je. Heute wird mit Dr. Helmut Kohl ein Europäer beigesetzt, dessen Vision vom friedlichen Zusammenleben der Völker in Europa vor allem durch die Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs geprägt war. Dem Kanzler der Deutschen Einheit ist es zu verdanken, dass auch unsere beiden Länder dieses dunkle Kapitel schließen konnten und schon seit mehr als 25 Jahren an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten.“

„Grafenried und Nemanice sind „Lernorte“ für Deutsche und Tschechen. Beide Dörfer haben eine wechselhafte, aber gemeinsame Vergangenheit. Sie sind geradezu geeignet, dass man aus der Geschichte für die Zukunft lernen kann. Es freut mich sehr zu sehen, wie die Ausgrabungen hier gemeinsam stattfinden“, stimmte Josef Bernard Landrat Löffler zu.

Auf der Aussichtsplattform des Cerchov ließen die Wanderer ihren Blick über den Böhmerwald schweifen. Beide waren sich einig, dass die vor 27 Jahren begonnene gemeinsame Entwicklung und Partnerschaft beider Regionen im Herzen Europas weitergehen werde.

Anschließend erfolgte der Abstieg zur Bendahütte, auf der man die Wanderung gemütlich bei einem Mittagessen ausklingen ließ und die bayerisch-böhmische Freundschaft weiter vertiefte.

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