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Faschingshochzeit in Chammünster, 1930er Jahre

15.02.2021

Faschingshochzeit in Chammünster, 1930er Jahre

Am Rosenmontag des Jahres 2021, an dem Corona bedingt keine Faschingsveranstaltungen stattfinden können, sei ein Blick auf eine historische Fotografie aus Chammünster von den närrischen Tagen vor Beginn der Fastenzeit geworfen. Gerade am Montag des Faschings wurden traditionell Faschingshochzeiten abgehalten, die öffentlich eine Schau-Hochzeit aufführten.

Heutzutage ist eine Faschingshochzeit nach dem Prinzip der „verkehrten Welt“ des Faschings ja durchwegs ein Schauspiel mit vertauschten Rollen – die Braut wird immer von einem Mann dargestellt und die Vermählung findet oft auf einem Misthaufen statt. In zahlreichen Orten im Landkreis Cham finden (hoffentlich bald wieder) lustige Faschingshochzeiten dieser Art statt.

Das Foto, das in den 1930er Jahren in Chammünster aufgenommen wurde, zeigt dagegen eine scheinbar übliche bäuerlich-ländliche Hochzeitsgesellschaft mitsamt Hochzeitslader, alle sind in „Tracht“ aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert gekleidet. Die beiden im Vordergrund der Fotografie lagernden Hanswursten, Kaschperln, mit ihren Stecken mit angebundenen Schweinsblasen, machen allerdings gleich deutlich, dass es sich hier um eine Faschingshochzeit handelt. „Saublodern“, getrocknete und mit Luft aufgeblasene Schweinsblasen, sind als närrisches Attribut Teil zahlreicher Fastnachtsbräuche. Sie werden, auf den Boden geschlagen, zum Erzeugen von Lärm und Krach verwendet oder dienen zum Necken der umstehenden Frauen und Mädchen. (Mit straff aufgeblasenen Saublodern wurde mangels guter Lederbälle auch häufig Fußball gespielt. Schlappe Bälle werden missbilligend heute noch als „Blodern“ verschrien.)

Bei einem zweiten Blick auf die Fotografie zeigen sich auch weitere Unterschiede zu den für gewöhnlich sehr statuarischen Aufnahmen von realen Hochzeitsgesellschaften. So schauen die hier Abgebildeten doch teilweise heiter, ja verschmitzt. Auch das demonstrative Pfeifenrauchen etlicher männlicher Hochzeitsgäste und ihre zu kurzen, geringelten Strümpfe deuten Lustiges und Fröhliches an.

Das Tragen alter, abgelegter „Trachten“, lokaltypischer Kleidung vergangener Zeiten, wurde im Fasching häufig praktiziert. Aus Truhen und Schränken auf dem Dachboden wurden „unmoderne“ Kleidungsstücke gesucht, um sie zur Gaudi im Fasching als Maskerade zu tragen.

Man darf davon ausgehen, dass kaum mehr Teile der abgebildeten Kleidung in den 1930er Jahren gängig waren. Die Männerkleidung mit den Talerleiberl und den Hüten diente eventuell Musikkapellen dieser Zeit als Vorbild.

Vielen weiteren Fragen könnte man anhand des Fotos aus der Sammlung des Kreismuseums Walderbach noch nachgehen. So ermöglicht die detaillierte Betrachtung einer historischen Fotografie einen Blick auf die Faschingstage früherer Zeit.

Chammünster, 1930er Jahre

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