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Chamer Berufsschule wird „smart“ - Digitale Fertigungsstraße für die Ausbildung in Betrieb genommen

10.12.2018

Im Beisein von Landrat Franz Löffler und Schulleiter Siegfried Zistler wurde an der Berufsschule Cham eine „Digitale Fertigungsstraße“ in Betrieb genommen.

Landrat Franz Löffler (5. von links) und Berufsschulleiter Siegfried Zistler (4. von links) stellen zusammen mit Lehrerkräften und Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Cham die "Digitale Fertigungsstraße" vor

Die beteiligten Lehrkräfte sind sich einig, dass das innovative Projekt hervorragend zum Profil der Berufsschule Cham passt: „Die Schüler werden auf dem neuesten Stand der Technik geschult und ausgebildet.“ Landrat Franz Löffler ergänzt: „Damit erfüllen wir unseren Anspruch, Fach- und Nachwuchskräfte im Rahmen einer praxisnahen Ausbildung auf die Anforderungen von „Industrie 4.0“ vorzubereiten!“

 

 

Ausgangslage

Die Bayerische Staatsregierung hat im März 2017 ein Sonder-Förderprogramm zur Verbesserung der technischen Ausstattung an 16 öffentlichen Berufsschulen aufgelegt. Insgesamt stehen für ganz Bayern 2,0 Mio. € zur Verfügung. Damit soll den steigenden Anforderungen von "Industrie 4.0" an Pilotberufsschulen Rechnung getragen werden.  Entsprechende Bewerbungen mit einem Konzept mussten bis Ende Juni eingereicht werden.

 

Lehrerteam erstellte Konzept

Vier Lehrer der Elektroabteilung der Berufsschule haben dazu ein Konzept ausgearbeitet und beim Kultusministerium eingereicht. Sie stellten dabei die bereits vorhandene Ausstattung heraus und verwiesen auf die noch notwendigen Schnittstellen, um es zu einem cyberphysischen System zu verknüpfen. Es können damit neben den technischen Berufen auch zukünftig kaufmännische Berufe in dieser Thematik unterrichtet werden. „Auch die vielen Kooperationen mit Technologiecampus, Technikerschule und IHK-Akademie überzeugten und zeigen eine weitreichende Verzahnung“, so Fachbereichsleiter Christian Schötz.

 

Cham ist Pilotschule für die Förderung „Industrie 4.0“

„Da das Konzept beim Kultusministerium überzeugen konnte, wurden aus der Oberpfalz die Berufsschulen Amberg und Cham als Pilotschulen für den Bereich Industrie 4.0 ausgewählt und mit einer Förderung für die Umsetzung bedacht“, erläutert Christian Schötz, der zugleich auch Fachmitarbeiter bei der Regierung der Opf. ist. Somit hat die Berufsschule Cham einmal mehr Modellcharakter für die beruflichen Schulen im Regierungsbezirk.

 

Kreisausschuss bewilligt die notwendigen Gelder

Auf Vorschlag von Landrat Franz Löffler hat der Kreisausschuss im November 2017 grünes Licht für das Projekt gegeben. Im Vergleich zu der im Zuge des Neubaus bereits beschafften Ausstattung mit einem Gesamtvolumen von ca. 5 Mio. € ist die nun vorgesehene Ergänzung mit einem Volumen von ca. 150.000 € zwar vergleichsweise gering. Dennoch ist es erfreulich, dass Cham als einer von 16 Standorten in ganz Bayern ausgewählt worden ist.

 

„Dies ist der beste Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg und in Bayern ganz vorne mit dabei sind. Mit der in Aussicht gestellten Förderung können nun bereits in der Schule die Bedingungen des realen Industriestandards geschaffen werden“, freut sich Landrat Franz Löffler.

 

Realisierung:

Der Fachbereich Elektrotechnik kann mit neuen „Fertigungsstraße“ die Idee einer intelligenten Fabrik in seiner Ausbildung nun verständlich vermitteln. Fahrerlose Transportsysteme, kollaborierende Roboter, Laserscanner, Aktorik und Sensorik, die Vernetzung über RFID oder Bussysteme gehören zu den vielfältigen, technischen Grundlagen im Zeitalter von „Industrie 4.0“.
„Man könnte all diese Themen einzelnen vermitteln, doch würden sie in der Summe keine intelligente Fabrik realisieren“, beschreibt Volker Lankes die Situation. Systematisch umsetzen lässt sich dies erst mittels einer modernen ERP-Lösung (Enterprise Resource-Planning-System). Beginnend mit der Entwicklung über Produktion und Logistik bis hin zum Webshop unterstreichen ERP-Systeme den Anspruch, ein Produkt über die gesamte Wertschöpfungskette zu begleiten und zu steuern.

 

Aufbau eines cyberphysischen Systems

Es wurde in Kooperation mit Lehrmittelherstellern mit modular aufgebauten CP-Lab-Systemen eine CP-Factory zusammengestellt, die in acht Stationen eine Produktionsstraße abbildet.

„Auf einen mit RFID-Sensor ausgestatteten Werkzeugträger können nun aus einem Stapelmagazin verschiedene Ober- bzw. Unterteile ausgelagert, unterschiedlich bestückt und gebohrt, sowie gepresst und abschließend etikettiert werden“ erklärt Abteilungsleiter Mechatronik, Manfred Senft, der nun federführend die Anlage betreuen wird.

 

Das Konzept sieht aber auch an 16 Schülerarbeitsplätzen einzelne Transfersysteme vor, wo die Auszubildenden die Grundlagen der Steuerungstechnik erlernen und dann methodisch aufgearbeitet erst an die „Fertigungsstraße“ übertragen. Unterstützend wirken hier für die praktische Umsetzung auch die Visualisierung und die Simulation durch den sogenannten „Digitalen Zwilling“. „Mit Tablet und VR-Brille können die Schüler virtuell in die von ihnen programmierte Welt eintauchen“, ergänzt Bernhard Eisch vom Schulleitungsteam.

 

In der Elektroabteilung freut man sich nun auf die Implementierung der neuen CP Lab in den Berufsschulunterricht, die aber auch noch von einigen Schulungen des Lehrpersonals und Testläufen der Anlage in den nächsten Wochen begleitet sein wird.
„Unsere Schule wird nun smart!“ so Schötz.

 

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