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37. Jahresband der Gelben Bände ist erschienen

08.04.2020

"Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham"

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Jahresband 37 (2020) „Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham“

Der Arbeitskreis für Heimatforschung im Landkreis Cham gibt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat des Landkreises Cham seit 1983 alljährlich einen Band der „Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham“ heraus.
Landrat Franz Löffler konnte wegen der derzeitigen Situation den neuen Band nicht persönlich vorstellen.

Der Jahresband 2020 veröffentlicht 14 Beiträge zu Geschichte, Zeit- und Kulturgeschichte des Landkreises Cham von Tiefenbach bis nach Bad Kötzting und von Neukirchen b. Hl. Blut bis Cham. Die Beiträge decken einen Zeitraum von nahezu 1000 Jahren ab.

Der Jahresband ist chronologisch aufgebaut und reicht von Untersuchungen zum Mittelalter bis zu Beiträgen zur Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.
Ein Register erschließt den Band.

Helmut Schnabl
Geschichte der Hofmark Lederdorn
1. Teil: Namen und Anfänge
Lederdorn ist eine kleine Hofmark zwischen Chamerau und Bad Kötzting. 1054 wurde Lederdorn zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Damals gingen zwei Höfe durch die Hand des Kaisers Heinrich III., der auch Herzog von Bayern war, an den Regensburger Domvogt Hartwich den Jüngeren über. Im Unterschied zur vorherrschenden Meinung leitet Schnabl den Namen von „Linden" ab, eventuell auch von Quelle, nicht von Lederherstellern. In der Mitte des 12. Jahrhunderts geht der Ort an Kloster Oberaltaich, später an Kloster Reichenbach, bald darauf an die Nothaft mit Sitz Runding über. Diese verkauften an die Eyb, die wieder im 17. Jahrhundert erneut an die Nothaften veräußern mussten. 1829 kam der Ort an den bayerischen Staat. -Ein zweiter Teil ist für nächstes Jahr geplant.

Werner Perlinger
Sengenbühl – ein Ort mit drei Namen am Fuße des Hohenbogen
1. Teil
Sengenbühl – der Ort mit den drei Namen. Dem Verfasser ist es ein Anliegen, im Bereich der Cham-Further Senke gerade diesen Ort mit seiner Geschichte darzustellen, denn es gibt keine Siedlung, die einen solchen Namenswechsel erleben durfte. Gerade die Bezeichnung „Sengenbühl“, in alten Urkunden „Sengenpuhel“ geht sprachgeschichtlich nicht auf eine topografisch gegebene Situation zurück, sondern eindeutig urkundlich vorgegeben, auf den Erstsiedler Jahrzehnte nach den Hussitenkriegen, der den Wiederaufbau der in den Hussitenkriegen verödeten Siedlung in Gang setzte. Gäbe es diese quellenmäßig unstrittigen Belege nicht, würden die Namensforscher eine Siedlung vermuten, die auf einem eigens für ein Siedlungsvorhaben „abgesengten“ (durch Brandrodung vom Bewuchs befreiten) Hügel oder Berg entstanden ist. In Teil I wird die Zeit von den frühesten Anfängen bis in das 1. Drittel des 16. Jahrhunderts, der sog. Neuzeit, vorgestellt.

Josef Ederer
Geigant und Katzbach vom 14. bis zum 16. Jahrhundert
Was das Wissen über Geigant und Katzbach in der Zeit vom 14. bis zum 16. Jahrhundert betrifft, war bis dato wenig bekannt. Aufgezeigt wird das Verhältnis der Grundherren zu den Grundholden, sowie die Verflechtung zwischen den beiden Dörfern im ausgehenden Mittelalter. Viele Namen und Gegebenheiten tauchen in dieser Periode auf, die das Wissen um die damaligen Gegebenheiten deutlich werden lassen. Die überlieferten Streitigkeiten, die vor Gericht ausgefochten wurden, geben viele Informationen preis. Aufgrund der seinerzeitigen Abgaben-Verpflichtungen werden die „kleinen Leute“ der Dorfgemeinschaften beschrieben. Die Primärquellen-Auswertung anhand der Original-Urkunden bringt viel „neues Altes“zum Vorschein.

Richard Bierl
Zenger von Schneeberg(-Tiefenbach)
Die Zenger waren Ritter in der Oberpfalz, dem sogenannten Zengerland, und besaßen zahlreiche Burgen, darunter Schneeberg bei Tiefenbach, Thanstein, Trausnitz und Schwärzenberg. Sie lebten hauptsächlich vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Ihre berühmtesten Vertreter waren Tristram I., der über 10 Jahre gegen die bayerischen Herzöge kämpfte, Hans Zenger von Thanstein, wegen seines Reichtums der Guldene genannt und der 70-jährige Hans Zenger, der 1433 in der Schlacht bei Hiltersried kämpfte. In ihrem Wappen war eine Zange enthalten, die an die Eisenhämmer in der Oberpfalz erinnerte.

Ludwig Baumann
Ein Rock für Maria, ein Röckl für das Kindl
Gnadenbildkleider Neukirchen b. Hl. Blut
Warum werden Gnadenbilder – oft mit gotischem Schwung geschnitzt – seit der Barockzeit verkleidet? Der Beitrag versucht zwei mögliche Antworten. In Weißenregen täuscht seit Ende des 17. Jahrhunderts ein Kegelmantel eine stehende Madonna vor. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine sitzende Maria in der Hoffnung. Wahrscheinlich wollte man den Wallfahrern im Schrein des Hochaltars eine Schwangere nicht zumuten. Als um 1650 kritisiert wurde, dass in der Wallfahrtskirche Neukirchen b. Hl. Blut die Schatzkammer mit Votivgaben reich gefüllt ist, aber „am Gnadenbild keine Zierde zu sehen“ sei, ordnete Kurfürstin Maria Anna an, Edelmetall und Steine in einem Gnadenbildkleid, Kronen und Schmuckanhängern zu verarbeiten. Im Jahrhundert danach wurde von Augsburger Kunsthandwerkern der angewachsene Kirchenschatz als prunkender Doppelaltar um das Gnadenbild herumgebaut. Und im Herbst 1800 ließ die kurfürstliche Regierung aus den wertvollsten Gold- und Silberzieraten des Altars Geld für die Kriegskassen fabrizieren.

Hans Wrba
„Dises ist mein lester will“
Das Testament der Anna Barbara Klingseisin
Ein Spiegel der Volksfrömmigkeit des 18. Jahrhunderts
Das vor fast 230 Jahren verfasste Testament der aus Chammünster gebürtigen Anna Barbara Klingseisen stellt einen Spiegel der Volksfrömmigkeit jener Epoche vor, in der die Heiligenverehrung sowie das Bruderschafts- und Wallfahrtswesen noch eine bedeutende Rolle spielten, obwohl längst schon dunkle Wolken am Horizont der Bavaria Sancta aufzogen. Das umfangsreiche Manuskript, das sich im Chamer Stadtarchiv befindet, wird unverfälscht im originalen Wortlaut wiedergegeben.

Josef Eckl
Vorindustrielle Roggenerträge im Landkreisgebiet Cham
2. Teil
Folgende Kernaussagen kennzeichnen die frühindustrielle Ertragsstruktur im Landkreisgebiet Cham:
1. In durchschnittlichen Erntejahren lagen die mittleren Roggenerträge auf Landkreisebene im Bereich von etwa 7 dt/ha (Dezitonnen je Hektar).
2. Das örtliche Ertragsgeschehen war allerdings geprägt durch eine tiefgehende Ertragsunsicherheit. Die Roggenerträge klafften in den untersuchten Ortschaften extrem auseinander und zwar von 0,1 Samen bis 7,5 Samen.
3. Im hiesigen Ort Geigant wurde beispielsweise 1809/11 der Spitzenertrag im königlichen Gerichtsbezirk Waldmünchen mit 3,4 Samen erzielt. Zwei Jahre später, 1811/12, lag dagegen die Ernte mit 1,3 Samen nur mehr geringfügig über der Aussaatmenge.
4. Eindrucksvoll untermauern und erhärten die Montgelas-Erhebungen die frühindustriellen Sorgen vieler Landkreisbewohner um ausreichende Ernten als Grundlage für das „tägliche Brot“.

Reinhold Bucher
Präsentmedaille 1824 der Stadt Cham zum 25-jährigen Regierungsjubiläum
von König Max I. Joseph von Bayern
Warum lässt im ersten Quartal des 19. Jahrhunderts eine kleine Stadt im Bayerischen Wald wie Cham eine Medaille zum Thronjubiläum des Landesherrn prägen?
Es muss wohl eine besondere Beziehung zum damaligen König Max I. Joseph von Bayern bestanden haben, die auf den ersten Blick nicht gedeutet werden kann.
Der wesentliche Grund der Dankbarkeit dürfte die Verleihung eines neuen Stadtwappens sein, denn mit allerhöchster Belobigung vom 12. Juni 1809 wurde Cham dafür geehrt, dass u. a. seine Bürger eine österreichische Nachhut der Truppen des österreichischen Erzherzogs Karl über die Grenze gejagt hatten.
Mit dem um die gekreuzten Schwerter auf weiß-blauen Rauten erweiterten Stadtwappen und der Umschrift „DIE TREUEN BÜRGER DER STADT KAMM“ wurde die Medaille so gestaltet, dass sie neben der Verteilung unter der Bevölkerung auch als Geschenk an den königlichen Gönner verwendet werden konnte.

Clemens Pongratz
Die Windorfer – eine Kötztinger Erfolgsgeschichte
5. Teil: Pfingsten im Hause Josef Windorfer
Es geht im Wesentlichen um den Familienverband der beiden Windorferbrüder Josef und Xaver. Der erste tritt die Nachfolge seines Vaters in Harras an und baut dieses Werk weiter aus, der zweite wirtschaftet auf der Hammermühle. In den beiden Häusern im Markte Kötzting wohnen bis an ihr Lebensende die beiden unverheiratet gebliebene Schwestern Peppi und Fanny.Eine angesehene Kötztinger Familie und das Pfingstbrauchtum, das geht gut zusammen: gleich vier Mitglieder dieser dritten Windorfergeneration können wir als Pfingstbräutigam oder Pfingstbraut in den Annalen der Pfingstbrautpaare finden.Josef Windorfer, der spätere Besitzer von Harras, erwählte sich 1841 Therese Schrank als seine Pfingstbraut. Dies ist deswegen so bemerkenswert, weil
1. die Väter sich einige Jahre vorher das Leben sehr scher gemacht hatten, als Schrank gegen die Weinhandlung und Essigproduktion des Josef Windorfer sen. prozessiert hatte und weil
2. Theres Schrank an Pfingsten 1841 erst 11 Jahre alt gewesen war.

Alfred Silberbauer
Pfarrer Georg Fröhlich und seine Zeit
Pfarrer in Rimbach von 1858–1876
„In Gegenden wo sprichwörtlich die Holzschlägel in den Wiegen wachsen und bekanntlich ein so schrecklicher Mißbrauch von den Messern gemacht wird soll nicht die Geistlichkeit den Entwilderungsbestrebungen der weltlichen Obrigkeit hemmend in den Weg treten, denn das wäre eben so viel, als wenn die unverständige Mutter in ihrer Affenliebe dem Manne in die Arme greift, wo er als verständiger Vater das ungezogene Kind strafen will und könnte dieß größe Schuld und schlimme Folgen verursachen. Ich will keinen Teil daran haben. …“
So schreibt der Rimbacher Pfarrer Georg Fröhlich im Jahr 1874 zum Thema, „Die Schuljugend und deren Erziehung“.
Fröhlich war von 1858-1876 Pfarrer in Rimbach. Er war ein streitbarer Zeitgenosse einmal vorsichtig ausgedrückt, der keinen Konflikt aus dem Weg ging. Deshalb hinterlässt er eine reichliche Menge Schriftverkehr, eine wahre Fundgrube für Heimatforscher. Daraus im Beitrag eine Auswahl von drei Problemen mit denen sich Pfarrer Fröhlich beschäftigte.
Beschreibung der Pfarrei und der moralische Zustand,
die Kosten des Hilfspriesters und
die Schuljugend und deren Erziehung

Timo Bullemer
„Die Herstellung einer Brücke an dieser Stelle ist ein dringendes Bedürfnis …“
Aus der Geschichte der ersten Betonbrücke über den kleinen Regen in Cham
Das Zitat aus der Überschrift findet man in unterschiedlichen Formulierungen immer wieder in den Quellen zu diesem Thema. Der vorliegende Aufsatz beschreibt die Gründe und Vorarbeiten, die 1925/26 zum Bau einer ersten Betonbrücke über den kleinen Regen in Cham führten. Dabei handelt es sich um jene Brücke, die Bernhard Wicki 1959 als Kulisse für den bekannten Antikriegsfilm „Die Brücke“ nutzte und die 1991 nach langen Diskussionen abgerissen wurde.
Der kleine Flussübergang hatte aber noch andere Besonderheiten zu bieten. Der Bau dieser massiven Brücke ersetzte einen Holzsteg für Fußgänger und eine Furt für Tiere und Fahrzeuge durch den Regenfluss. Ungewöhnlich war außerdem, dass nicht die Stadt, sondern ein Verein der Landwirte das Bauprojekt vorantrieb. Die heimischen Landwirte waren es auch, die den fränkischen Adligen Florian Geyer als Namensgeber für eine Brücke in Cham in der Oberpfalz vorschlugen.

Markus Gruber
Das Kriegsende 1945 im Raum Waldmünchen, Cham und Domažlice:
Über 300 Tote in nur zwei Wochen
Der Beitrag von Dr. Markus Gruber (Waldmünchen / Universität Regensburg) behandelt das Kriegsende 1945, das sich aktuell zum 75. Mal jährt. Archivdokumente aus Deutschland, aus den USA und aus Tschechien dokumentieren den Vormarsch der Amerikaner gegen den Widerstand der 11. deutschen Panzerdivision im Raum Cham, Waldmünchen, Furth im Wald, sowie die Kämpfe bei Taus und Bischofteinitz. Das erschreckende Ergebnis: In kaum zwei Wochen starben noch Ende April über 300 Menschen – Soldaten, Zivilisten, Partisanen, Zwangsarbeiter. Hinzukommen die Opfer der Todesmärsche aus den Konzentrationslagern, die Verstorbenen in den Lazaretten sowie die Opfer unter den Sudetendeutschen. Der Beitrag verdeutlicht, dass der Krieg in unserer Heimatregion den „großen“ Weltkrieg in all seinen Aspekten detailgetreu abbildet und somit auch verstehen lässt.

Karl-Heinz Brückl
Eine Sternstunde für Chammünster
Wie es gelang, die freie Sicht auf die Urkirche des Bayerwaldes zu bewahren.
Im Jahr 1964 wurde das alte Schulhaus vor der Kirche in Chammünster abgerissen, um Platz für ein neues Mehrzweckgebäude zu schaffen. Doch als sich der Staub gesenkt hatte, stand erstmals seit Generationen das mächtige Marienmünster unverdeckt vor dem Beschauer. Die neue Optik löste Proteste und Beschwerden aus allen Kreisen gegen eine erneute Bebauung aus. Außerdem wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die Gemeinde bei einer alternativen Lösung zu unterstützen. Dass diese „Aktion Münsterblick“ letztendlich erfolgreich war, kann heutzutage jeder Besucher der Urkirche sehen.

Gabriele Berlinger-Möck
Der Denkmalschutzpreis des Landkreises Cham 2019
Der Kreistag des Landkreises Cham verleiht seit 2012 einen Denkmalschutzpreis.
Wir veröffentlichen die Preisträger mit ihren Projekten gerne im Rahmen der „Gelben Bände“ – kann doch der Einsatz für Denkmalpflege und Denkmalschutz im Landkreis Cham einer ohnehin an dieser Thematik interessierten Leserschar vorgestellt werden. Zugleich erlaubt uns die Veröffentlichung, überdurchschnittliches Engagement an dieser Stelle zu würdigen und den Preisträgern Anerkennung und Dank auszusprechen für ein historisches Erbe, das sie in die Zukunft weiterreichen! Die Preisträger geben mit ihrem Tun ein Zeugnis dafür ab, dass unser Landkreis sein Gesicht behalten, dass gute Baukultur gepflegt, dass Traditionen weiterentwickelt, dass Ressourcen geschont werden sollen.
Möge damit auch das Bewusstsein der Leser für unsere Dokumente aus vergangener Zeit gefördert, und mögen dafür viele weitere Mitstreiter gewonnen werden! In Form dieser Würdigung sei den Preisträgern für das besondere Engagement um ihre Objekte ein großes Lob ausgesprochen!
Der Denkmalschutzpreis 2019 ging an die Stadt Furth im Wald für die Renovierung des historischen Stadtturms am Schloßplatz.
Der jetzige Stadtturm ersetzt den älteren Hauptturm des ehemaligen Wittelsbachischen Pflegschlosses, der beim Brand 1863 zerstört wurde. Der Wiederaufbau erfolgte im Stil der Gotik, die auch schon vor der Reichsgründung als typisch „deutsch“ empfunden wurde. Als Wahrzeichen der Stadt erfuhr er besonders in seiner Höhenentwicklung und einer „mittelalterlichen“ Fassadenausbildung eine besondere Baugestaltung, die sich von den meisten ähnlichen Gebäuden der Oberpfalz deutlich abhebt. Tatsächlich ist der Turm außerhalb Regensburgs eines der wenigen neugotischen Baudenkmäler der Oberpfalz. Architekt war Herr von Dietz aus dem Königlichen Landbauamt.

Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham, Bd. 37 (2020), € 13.-
78 Seiten mit 84 Abbildungen
ISSN 0931-6310

Der neue Band 2020 ist im Versand-Buchhandel oder beim Landratsamt Cham, Kulturreferat, Rachelstr. 6, 93413 Cham, zum Versand zu bestellen.

Kulturreferat, Landratsamt Cham, 93404 Cham
09971-78218
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