Wasserfeder_Hottonia palustrisArtenhilfsprogramm für stark bedrohte Pflanzenarten im Landkreis Cham

Im bayerischen Naturschutzgesetz findet sich neben den Richtlinien zum passiven Schutz von wertvollen Bestandteilen der Natur auch die Pflicht, Landschaft aktiv zu pflegen und zu gestalten. Einer von zahlreichen Bausteinen aus diesem Aufgabenbereich sind die Artenhilfsprogramme. Artenhilfsprogramme wurden bisher vor allem vom LfU (Landesamt für Umwelt) sowie von den Höheren Naturschutzbehörden (an den Bezirksregierungen) durchgeführt. Ziel ist es, Populationen (Bestände) endemischer (nur in Bayern vorkommender) sowie hochgradig gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Artenhilfsprogramme (AHP) sind gezielte Maßnahmen zur Erhaltung bedrohter Arten. Als fachliche Anleitungen zu Schutz, Pflege und Entwicklung der Bestände (Populationen) bestimmter Arten und Artengruppen sind sie eine Ergänzung der klassischen Naturschutzinstrumente Flächenschutz (Ausweisung von Schutzgebieten) und Biotopschutz (Vertragsnaturschutzprogramm, Kulturlandschaftsprogramm). Höchste Priorität kommt endemischen (nur in Bayern vorkommenden) und international gefährdeten Arten zu, die in Bayern einen bzw. ihren Verbreitungsschwerpunkt haben. Diese Ebene hat durch internationale Vereinbarungen und Verpflichtungen, vor allem durch die FFH- und die Vogelschutz-Richtlinie der Europäischen Union sowie die Bonner Konvention (Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten) zusätzliches Gewicht erhalten. Weitere Prioritätsstufen sind Arten mit den höchsten Gefährdungskategorien im nationalen und landesweiten Bezug. Um die Populationen der Endemiten und weiterer besonders gefährdeter Pflanzen zu erhalten, wird in Bayern seit 1991 das Artenhilfsprogramm für endemische und stark bedrohte Pflanzensippen durchgeführt. Im Rahmen dieses Projektes werden, koordiniert durch das Bayerische Landesamt für Umwelt, von der Naturschutzverwaltung mit Unterstützung weiterer Fachbehörden gezielt Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung dieser aus Naturschutzsicht herausragenden Arten realisiert. Grundlage sind Wuchsortkartierungen der Bestände, die bereits in den 1980er Jahre begonnen wurden. Hierbei werden unter anderem Populationsgrößen und Entwicklungstendenzen, abiotische und biotische Standortfaktoren, Nutzungseinflüsse sowie aktuelle und potenzielle Gefährdungen und Beeinträchtigungen erfasst. Auf dieser Grundlage werden Schutz-, Erhaltungs- und Entwicklungsziele sowie die im Einzelnen durchzuführenden Maßnahmen festgelegt.In Bayern gibt es 54 Endemiten (weltweit nur in Bayern) und 64 Subendemiten (weltweit nur in Bayern und seinen Nachbarländern). Von den Endemiten sind 72 % im Bestand gefährdet, von den Subendemiten immerhin noch 45 %. Darüber hinaus gibt es weitere Pflanzenarten mit hoher internationaler Verantwortung Bayerns. Dazu zählen Arten mit relativ kleinem Verbreitungsgebiet, an dem Bayern maßgeblich Anteil hat, isolierte Vorposten und Relikte etc. Auch deren Gefährdung ist mit einem Anteil von 60 bis 70 % relativ hoch. In den letzten Jahren wurde ein Werkvertrag zwischen dem Naturparkverein „Oberer Bayerischer Wald e. V.“ und dem Diplom-Biologen Martin Scheuerer aus Nittendorf geschlossen. Finanziell beteiligt sind der Landkreis Cham und die Regierung der Oberpfalz. Inhalt des Vertrages ist die Dokumentation, Betreuung und vordringliche Sofortpflege von ausgewählten Wuchsorten stark bedrohter Pflanzenarten im Landkreis Cham. Untersucht und betreut werden die Vorkommen von bis zu 120 hochgradig gefährdeten Arten an über 240 Wuchsorten im Landkreis. Außerdem sollen mit den Grundstückseigentümern bzw. -nutzern Pflegemaßnahmen abgestimmt werden.

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